Liebe Gemeinde, liebe Mitchristen,
die große Teresa von Avila, eine Ordensfrau (Karmelitin) und Mystikerin, eine Frau, die wir als Heilige und Kirchenlehrerin verehren – 1970 wurde sie von Papst Paul VI als erste Frau in der Geschichte der Kirche zur Kirchenlehrerin ernannt – diese Teresa, deren 500. Geburtstag wir in diesem Jahr feiern, hat einmal gesagt: „Wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn; wenn fasten, dann fasten.“
Jetzt im Monat Februar beginnt sie wieder: die Fastenzeit - jene Zeit, in der wir uns auf Ostern vorbereiten; und ihr voraus geht die Faschingszeit - die närrische, ausgelassene Zeit, in der viele Menschen feiern, tanzen und ihren Spaß haben.
„Wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn; wenn fasten, dann fasten.“ - In diesem kurzen Satz steckt was drin, auch für uns heute!
Wir würden heute vielleicht anstelle des Rebhuhns ein anderes Beispiel nehmen (ich überlasse es Ihrer Fantasie und Ihrem Geschmack), aber letztlich will der Satz doch sagen: tu das, was du tust, mit ganzen Herzen! z.B.: wenn du feierst, dann feiere richtig und nicht nur ein bisschen, und wenn du fastest, dann faste auch aufrichtig und ehrlich.
Wenn wir Grund zur Freude haben (und da denke ich gar nicht nur oder zuerst an den Fasching, sondern an viele andere Situationen im Leben und im Alltag!), dann dürfen und sollen wir uns auch vorbehaltlos freuen, wir dürfen es genießen; wir dürfen Hoch-Zeiten in unserem Leben, Tage oder Stunden auch auskosten, wir dürfen mit allen Sinnen wahrnehmen, wir dürfen und sollen in der Gegenwart leben, ohne gleich wieder auf die Vergangenheit zurück- oder die Zukunft vorausblicken zu müssen.
Und dann gibt es natürlich genauso auch Zeiten der Stille, der Besinnung auf sich selbst, der inneren Einkehr, Zeiten des Abschied-nehmens, des Loslassens, des Verzichts – eben „Fastenzeiten“. Das können Zeiten sein, die nicht von Schlemmen und Überfluss geprägt sind, sondern in denen ich etwas sparsamer, sorgsamer, ja heilsamer mit allem umgehe, in denen ich bewusst auf mich, auf mein Verhalten zu anderen und auch zu Gott schaue. Auch dieses kann ich intensiv und aufmerksam durchleben und erleben.
Es gilt also – wie es Jesus schon seinen Zuhörern klar machen wollte – die „Zeichen der Zeit zu erkennen“; zu spüren, wann ist was angesagt, notwendig und gut! Gemäß der Hl. Teresa eben: „Wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn; wenn fasten, dann fasten.“
So wünsche ich Ihnen intensive, tiefe und nachhaltige Erfahrungen des Feierns und des Fastens - im Februar, aber auch weit darüber hinaus!
Ihr Pastoralreferent
Leo Klinger